Lost Place: VEB Milchwerke Dresden

Die VEB Milchwerke in Dresden Dobritz haben - beispielsweise im Vergleich zum VEB Presswerk Ottendorf-Okrilla - keine bewegende Geschichte. Auf dem riesigen Betriebsgelände befinden sich hauptsächlich "moderne", charakterlose Hallen und Blöcke in Fertigteilbauweise. Die Gebäude wurde in den 1970er Jahren errichtet und das Gelände sollte in den 80er Jahren noch um ein Käsewerk erweitert werden. Doch die Wende veränderter alles. Das Käsewerk wurde nicht fertiggestellt. Zurück blieb ein unvollendeter Rohbau, der später einem Möbelhaus wich. Der VEB selbst wurde 1990 abgewickelt und die Produktion von der neu gegründeten Sachsenmilch AG im übernommen. Die AG nutzte das Gelände bis zum Jahrhunderthochwasser im Jahr 2002 und gab es dann dem Verfall preis.

Seitdem haben sich Randalierer, Schrottdiebe, Sprayer und Geocacher auf dem Gelände herumgetrieben und dem Lost Place in der Landeshauptstadt Sachsens ihre ganz persönliche Note gegeben. Leider lässt sich nicht ohne längere Recherchen herausfinden, wem das Gelände aktuell gehört. Allerdings hat sich vor einigen Jahren ein Bauunternehmen angesiedelt und die Gebäude sukzessive abgerissen. Bei unserem Besuch wurden bereits die Produktionshallen dem Erdboden gleichgemacht und es standen nur noch die wertlosen, blauen Betonhüllen der Verwaltungsgebäude. Ein Betreten des heruntergekommenen Geländes war während des langsam voranschreitenden Abrisses keine gute Idee, so dass wir schnell wieder vom Gelände verschwanden. Dennoch sind ein paar Bilder entstanden.

Allerdings hat das verlassene Areal noch ein bisschen mehr zu bieten. Als 1975 das große Verwaltungsgebäude errichtet wurde, entstand im Untergeschoss durch den VEB Landbaukombinat ein Zivilschutzbunker mit 43 Schutzplätzen. Der Bunker ist ebenfalls in Fertigteilbauweise errichtet und besteht aus 2 unabhängigen Bunkerteilen, die jeweils über eine eigene Belüftungsanlage mit Kiesdruckwellendämpfer (KDWD) verfügten. Ein Bauwerksteil war für die Belegschaft bestimmt und der andere Teil für die Werksleitung. Für diese wurde ein Notausstieg vorgesehen.

Auf einem Photo in einem Forum entdeckt man eine etwas andere Verteilung. Dort heißt es, dass im VEB Milchwerke Dresden eine Kampfgruppeneinheit existierte und diese eine eigene Führungsstelle unterhielt. Der Zivilschutzbunker wäre demnach vorrangig für die Kampfgruppe gewesen und die restlichen Plätze waren für die Betriebsleitung, Partei und Gewerkschaft bestimmt.

Quellen

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