Lost Place: Kinderheim "Hilde Coppi"

Die Kleinstadt Schleusingen im Süden des Thüringer Waldes mag nicht sonderlich bekannt sein. Allerdings hat sie einiges zu bieten, allem voran Zivilcourage und soziales Engagement. Besondere Anerkennung verdienen die Einwohner der Stadt aufgrund ihrer vorbildlichen und erfolgreichen Aktion gegen das Fussfassen der NPD im Stadtgeschehen.
An kulturellen und wirtschaftlichen Einrichtungen findet man in Schleusingen das Schloss Bertholdsburg, die Teutsche Schule, ein Rehabilitationszentrum, ein ehemaliges Akutkrankenhaus (das nun Teil der Henneberg-Kliniken ist) und das MEGA-Einkaufszentrum sowie den Bergsee Ratscher. Des Weiteren waren ein Schlachthof und das Kur-und Kinderheim "Hilde Coppi" wichtiger Bestandteil von Schleusingen.

Obwohl die beiden zuletzt genannten Einrichtungen die Stadt - nach eigenen Aussagen - geprägt und zahlreiche Schleusinger mit Lohn und Brot versorgt haben, findet man - zumindest online - nicht viel Erhellendes.

Die Geschichte des Kur- und Kinderheims ist schnell erzählt. Das Objekt wurde 1893 errichtet. Anfangs wurde es als Anstalt für Taubstimme genutzt. Gut 30 Jahre nach der Eröffnung erweiterte man den bestehenden Bau um zwei neue Häuser. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Heim nach der Widerstandskämpferin Hilde Coppi benannt. Sie wurde 1942 verhaftet und nach der Geburt ihres Kindes am 5. August 1943 enthauptet. Das Kinderheim in Schleusingen ist allerdings nicht das einzige Objekt mit dem Namen "Hilde Coppi". Daneben gab es ein weiteres Objekt in Bernburg, über das außerordentlich positiv berichtet wird.

Über die Zustände in Schleusingen findet man dagegen sehr negative Aussagen. Einige Quellen sprechen von Misshandlungen, Kinderarbeit und Psychiatrie sowie experimentellen Untersuchungen. Der Wahrheitsgehalt lässt sich nicht feststellen und erscheint nicht nur äußerst spekulativ, sondern auch stereotypisch.

Das Kinderheim "Hilde Coppi" ist - wahrscheinlich aufgrund eines Brandes - seit 1994 geschlossen und verfällt seitdem rasant. Aufgrund eines Skelettfundes etwas oberhalb des Komplexes findet dieser Lost Place in Thüringen eine kurze Erwähnung in den Medien. In den Jahren des Leerstands wurde der natürliche Verfall durch Vandalismus und weitere Brände beschleunigt. In der Nachbarschaft des Objekts wohnen sehr aufmerksame und eskalierende Bürger. Die Gebäude sind mittlerweile stark einsturzgefährdet.

Im Jahr 2014 engagierte sich Schleusingen erneut gegen lokale Rechtsextreme. Tommy Frenck - der auch im o.g. Artikel die Hauptfigur war - und sein "Bündnis Zukunft Hildburghausen" wollten das Kinderheim erwerben. Die Stadt machte von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch und erwarb das Objekt und einige weitere Immobilien, um sie so vor dem rechten Zugriff zu sichern. Nun ist Schleusingen auf der Suche nach einem Investor, Käufer oder Pächter.

Quellen und weiterführende Informationen

1 Comments für "Lost Place: Kinderheim "Hilde Coppi"" Schreibe Deinen

  1. Ein sehr schönes Video,werden uns demnächst wahrscheinlich auch mal auf den Weg dorthin machen ;)

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