Valle dei Concei und Monte Cadria

Die Runde um das Valle dei Concei ist, ähnlich wie der Sentiero Claudio Costanzi, eine abenteuerliche und herausfordernde Kammwanderung in der Nähe des Gardasees. Wir durften diese Traumtour im Juli 2014 absolvieren. Am Ender der Runde hatten wir - trotz aller Widrigkeiten - die Ehre, den höchsten Gipfel der Gardaseeberge - den Monte Cadria (2.255m) - zu besteigen. Außerdem erlebten wir...

  • ... absolute Einsamkeit
  • ... ein Biwak bei heftigem Gewitter
  • ... fast 2.100 Höhenmeter im Anstieg und gut 13 Stunden Gehzeit
  • ... 7 Gipfel, die alle über 2.000m hoch sind
  • ... ständiges Auf und Ab entlang des Kammes/ Grates
  • ... wunderschöne Rund- und Tiefblicke
  • ... mediterran alpines Flair
  • ... 3 extrem selten gefundene Geocaches

Als Ausgangspunkt für unsere Wanderung wählten wir den Parkplatz beim Sägewerk in Lenzumo. Wir hatten zuvor einige Tage in Verona verbracht und konnten die Tour erst gegen Mittag beginnen. Deshalb entschieden wir, die Runde auf 2 Tage aufzuteilen und irgendwo in den Bergen zu biwakieren. Da wir keine Lust auf das Rifugio Pernici (1.601m) hatten und Ruhe suchten, nahmen wir unser Zelt und die notwendige Campingausrüstung sowie Essen und Trinken für beide Tage mit. Das Rifugio ist die einzige Einkehrmöglichkeiten unterwegs und selbst das Auffüllen von Wasser ist hier ein Problem, da es auf der Runde keinerlei Quellen gibt. Unsere Rucksäcke waren entsprechend prall gefüllt und sportlich schwer. Im Auto entdeckten wir noch eine leckere Cantaloupe Melone, die ebenso im Gepäck landete. Training!

Der Weg zur Hütte war einfach zu finden. Zunächst folgten wir der schmalen, asphaltierten Straße. Diese verließen wir nach gut 1,5 Kilometern und bogen auf den Weg 403 ab. Er scheint nicht oft begangen zu sein, denn in unserem Fall war er stark zugewuchert. Die meisten Leute nutzen wohl die Forststraße, so dass sie den abwechslungsreichen und sicherlich schöneren Aufstieg durch den Wald verpassen. Kurz vor der Hütte kehrten wir in die "Zivilisation" zurück und mussen auf breiten Wegen einige hässliche, wasserbauliche Anlagen passieren. Nach gut 2,5 Stunden gelangten wir zum Sattel Bocca di Trat (1.582m).

Wir ließen die Hütte rechts liegen und wählten Weg Nr. 420 Richtung Mazza di Pichea (1.879m). Der mit Latschenkiefern und Felsen gesäumte Pfad führte an alten Stellungsresten vorbei und brachte uns zu einer Abzweigung, von der aus wir den steilen Gipfelkopf besteigen konnten. Nach wenigen Minuten standen wir am Gipfelkreuz und genossen das herrliche Panorama. Leider trübte sich unsere Stimmung ein wenig, da der zu Beginn unserer Tour blaue Himmel nun komplett bewölkt war und dunkle Gewitterwolken am Monte Cadria aufzogen.

Wir beschlossen, so schnell wie möglich einen Platz für unser Biwak zu suchen und fanden auf halbem Weg zum Corno di Pichea (2.146m) eine geschützte Senke 80Hm unterhalb des Kammes. Eilig bereiteten wir das Nachtlager, da sich das Wetter nun rapide verschlechterte. Retrospektiv war dies eine gute Entscheidung, da wir am nächsten Tag bis zur Dosso della Torta (2.156m) keine günstige Zeltstelle entdecken konnten.
Überraschenderweise blieb noch genügend Zeit, um eine Weile im Gras zu liegen und ein paar herzhafte Kleinigkeiten zu mampfen. Als es dann ans Desert ging, mussten wir zu unserem Schreck feststellen, dass die Cantaloupe Melone spurlos verschwunden war. Welch ein schwerer Verlust! Nach einer halben Stunde intensiver Suche fanden wir die Köstlichkeit 30Hm tiefer gut versteckt und sauber halbiert inmitten einer riesigen Latschenkiefer.

Es war noch früh, als wir uns ins Zelt verkrümelten, um ein wenig zu schlafen. Schließlich wollten wir am nächsten Morgen zeitig aufbrechen, da noch der größte Teil der Wanderung vor uns lag. Doch unser Plan ging ganz und gar nicht auf. Unser Zeltplatz war unebener als gedacht. Wir nutzten sämtliche Klamotten, um die größten Unebenheiten des Bodens auszustopfen. Heftiger war allerdings das Gewitter, das für Stunden über uns herniederging und uns vom Schlafen abhielt. Es gab zwar kaum Regen, aber die Blitze und der Donner waren respekteinflößend. Die ganze Nacht krachte es um uns herum und am Morgen zog ein weiteres Gewitter auf, das zu allem Überfluss ergiebigen Regen mit sich brachte. Gegen 5 Uhr war die Nacht endgültig vorüber. An Schlaf war nicht mehr zu denken.

Schnell bauten wir in einem günstigen Moment unser klatschnasses Zelt ab und brachen auf. Vor der Corno di Pichea fanden wir einen Stollen und verleibten uns in dessen wärmendem Schutz ein kleines Frühstück ein. Das Wetter blieb bescheiden, doch wir waren guter Dinge, denn immerhin hatte sich das Gewitter mittlerweile verzogen. Bald erreichten wir den höchsten Punkt der Corno di Pichea. Zwar hatten wir keinerlei Sicht, dafür fanden wir den hier versteckten Geocache in windeseile. Kurz vor dem nächsten Gipfelchen - dem Tofino (2.151m) - beglückte uns ein neuerlicher, heftiger Regenguss. Trotz ziemlicher Durchweichung ließen wir uns abermals nicht beirren, denn der Pfad entlang des Kammes war abenteuerlich und bot wilde Bergromantik. Glücklich wandelten wir durch hüfthohe Blumen und Gräser und ergötzten uns an der pitoresken Szenarie.

Nach einer Weile gelangten wir an die Bocchetta dei Slavazi (2.048m), meisterten mühelos einen felsigen Abschnitt und erreichten schließlich den Dosso della Torta (2.156m). Hier gab es eine große Galerie, in die wir uns zurückzogen und Riegel futternd pausierten. Duch die Galerie pfiff ein kalter Wind, der uns frösteln ließ. Unsere Stimmung knickte kurz ein, doch an ein Umkehren war nicht mehr zu denken. Immerhin war es nicht mehr weit zur Bocca dell’Ussol (1.879m), von der wir notfalls ins Tal absteigen könnten. Erstaunlicherweise besserte sich das Wetter auf dem Weiterweg über die Gaverdina (2.047m) gravierend. Es wurde schwül warm, Wolkenfetzen und Nebelschwaden waberten um uns herum. Na bitte!

An der Bocca schauten wir uns die kleine Felsenkapelle an und erkundeten die Kriegsruinen. Auch hier gab es einen Geocache, der zwischenzeitlich in die Kapelle gewandert war und dort als "Gästebuch" genutzt wurde. Der Weiterweg sah verheißungsvoll wild aus, so dass wir nicht lange überlegen mussten und die Tour unbedingt fortsetzen wollten. Die nächsten Stunden boten uns einen wunderbaren Mix aus:

  • ... zahlreichen Stellungsresten (meist Galerien und Gräben)
  • ... steilem Auf und Ab über Grashänge
  • ... ausgesetzten Querungen
  • ... felsigem Gelände
  • ... tiefem Gras mit wunderschöner Alpenflora (die uns dank des ergiebigen, morgendlichen Regens feucht hielt)

Der Weg verlor sich immer wieder, doch die Orientierung war einfach, denn es ging stetig am Grat oder in dessen Nähe entlang. An der Bocca di Tortavai (1.943m) hätten wir die Runde abermals vorzeitig abbrechen können. Doch wir verfügten über ausreichend Energie und nahmen uns nach einer ausgedehnten Pause die letzten 300 Höhenmeter zum Monte Cadria vor. Zu Beginn verlief der Weg durch hohes Gras und noch höhere Büsche. Unterhalb des Gipfels wurde der Weg zu einem alten Frontsteig, der im Zick Zack an der Gratkante entlangführte. Und tatsächlich erreichten wir am späten Nachmittag den Gipfel samit Kreuz und Altar. Sogleich suchten wir den hier verstecken Geocache und hielten ihn bald in den Händen. Die Freude währte nur kurz, denn wieder begann es zu regnen und kurze Zeit später grollte erneut Donner über uns.

Für den Abstieg boten sich uns 2 Varianten. Der Südwestgrat sah spannend aus, doch bei der herrschenden Wetterlage wollten wir wenigstens einmal an diesem Tag vernünftig sein und so schnell wie möglich in sicheres Gelände absteigen. Also nahmen wir den direkten Weg Richtung Westen und erreichten bald das Almgelände der Malga Cadria (1.914m). Wenig später kamen wir in die unmittelbare Nähe der Almgebäude. Kurz vor ihnen bog der Weg scharf nach links ab und es erwartete uns ein langer und quälender Abstieg. Bis zur Malga Vies (1.555m) waren die müden Füße noch auszuhalten. Doch dann folgte ein sehr steiler Abschnitt über einen stellenweise betonierten Weg, der unsere armen Füße und Waden malträtierte. So waren wir nicht unglücklich, das Valle dei Molini nach einer gefühlten Ewigkeit hinter uns zu lassen und am Ausgangspunkt das Auto besteigen zu dürfen. Gegen 20.30 Uhr fuhren wir - dreckig wie wir waren - zum nahegelegenen Rifugio al Faggio (963m), wo wir uns ein ebenes, trockenes Bett und leckeres Essen gönnten. Eine Weile sinnierten wir noch über die wunderbare Runde und fielen dann todmüde in einen erholsamen, tiefen Schlaf.

Buchempfehlung

Die beschriebene Tour stammt aus dem Buch "Abenteuerwege Ost- Westalpen: 32 spannende Touren mit dem gewissen Etwas" von Eugen E. Hüsler. Die Touren sind sehr gut beschrieben. Zum einen erzählt Hüsler lebhaft von seiner eigenen Begehung. Zum anderen erläutert er detailiert die einzuschlagende Route. Der Kartenausschnitt ist nur 1:50.000 und es fehlt ein Höhenprofil. Abgesehen davon überzeugt die Tourenauswahl durch Qualität und Anspruch.

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