Carne Mountain: Tour im Wenatchee National Forest/ Washington State

Carne Moutain (2.160m) ist ein wenig bekannter und selten begangener, unscheinbarer Berg in den Entiat Mountains. Hier befinden sich etwas weiter nördlich weitaus anspruchsvollere und lohnendere Bergziele wie beispielsweise der Mount Maude (2.768m), der Seven Fingered Jack (2.774m) und Mount Fernow (2.819m). Die Entiat Gebirgskette ist Teil des Wenatchee National Forest und liegt in den Central Cascades. Während unseres Sommerurlaubs im Jahr 2011 waren wir auf dem Highway 2 unterwegs und passierten auf halber Strecke zwischen Leavenworth und dem Stevens Pass den Lake Wenatchee. Die billige Imitation eines bayrischen Bergdorfes in Form von Leavenworth - "Heidelburger" und "Brats, das ist gut ja!" - hatte uns so verstört, dass wir so schnell wie möglich zurück in die Einsamkeit der Bergwelt mussten.

Am Lake Wenatchee angekommen, folgten wir der Straße zum Fish Lake und fuhren anschließend 22 lange Meilen (35km) Richtung Norden entlang des Chiwawa Rivers und dann noch einmal 2,5 Meilen (3,2km) zum Phelps Creek Trail. Die Anfahrt dauerte eine gefühlte Ewigkeit, denn die Straße ist größtenteils unbefestigt und holprig. Bei schönem Wetter findet man am Phelps Creek kaum Parkmöglichkeiten, denn viele Wanderer und Backpacker brechen von hier zu den touristisch sehr beliebten Spider Meadows auf. Doch aufgrund der winterlichen Bedingungen (siehe hierzu unser Tourenbericht "The Palisades") hatten wir den Parkplatz für uns und trafen auf der gesamten Tour keine Menschenseele. Von der langen Fahrt recht ungeduldig, lösten wir fix den Northwest Forest Pass (Tagesgebühr $5 in bar) und schon ging es die ersten Meter durch den dichten Nadelwald.

Die Rundtour zum Carne Mountain ist mit gut 13 Kilometern Strecke und 1.100Hm überschaubar und die technischen Anforderungen an das Bergsteigen sind gering. Die Orientierung ist - evtl. abgesehen vom anfänglich finsteren Wald - nicht anspruchsvoll. So kann man auch bei schlechtem Wetter dem Gipfel einen Besuch abstatten. Normalerweise blühen hier im Juli hunderte Wildblumen, die Tour ist vom Schnee und Eis befreit und ein Trampelpfad führt zum Gipfel. Nicht so in unserem Fall. Zwar war der steile Abschnitt im Wald noch recht schneefrei, doch spätestens im "Carne Basin" (ca. 1.850m) fühlten wir uns wieder wie auf einer Wintertour. Angeblich soll es hier auch riesige Murmeltierkolonien geben, doch diese lagen sicherlich noch steifgefroren im Winterschlaf.

Mit Pickel ausgerüstet, verließen wir den Kessel und stiegen zum Sattel auf. Dabei kamen wir an uralten und - laut unserem Führer - weltweit größten, subalpinen Lärchen vorbei. Nach einem weiteren steilen Anstieg erreichten wir den Sattel (ca. 2.050m) in der Nähe des niedrigeren Südgipfels (2.130m), auf dem früher eine kleine Hütte stand. Nach einer kurzen Kraxelstelle folgten wir dem verschneiten, breiten Kamm zum höheren Nordgipfel. Leider hingen in unserem Fall die grauen Wolken sehr tief. Eigentlich hat man von hier oben einen wunderbaren Blick über die Bergwelt mit hunderten von Gipfeln und grüne Täler. Wir verweilten einige Minuten und zu unserer Überraschung fing es doch tatsächlich an zu schneien.

In Ruhe liefen wir zurück zum Ausgangspunkt. Am Parkplatz angekommen, suchten wir noch nach dem hier im Jahr 2005 versteckten Geocache. Wenig später schauten wir an der Trinity Mine vorbei und erhofften uns Blicke auf das - für amerikanische Verhältnisse - historische Gelände und evtl. eine kleine Grubenfahrt. Doch leider ist das Gelände im privaten Eigentum und durch ein großes Tor versperrt. Vor dem hohen Zaun liegt allerdings eine weiterer alter Geocache "Trinity Mine" aus dem Jahr 2004. Langsam wurde es kalt in unseren nassen Schuhen und wir traten den langen Rückweg zum Zeltplatz am Lake Wenatchee an. Dort gönnten wir uns ein großes, prasselndes Lagerfeuer, grillten Marshmellows und trockneten unsere durchweichten Bergstiefel. Eingelullt von der wohligen Wärme merkten wir nicht, wie unsere Stiefel zu nah am Feuer standen und die Plastekappen langsam anfingen, Blasen zu werfen - ein wirklich interessantes Bild bot sich uns am nächsten Morgen...

Weitere Infos

Buchempfehlung

Die beschriebene Tour stammt aus dem Buch "Washington Scrambles: Best Nontechnical Ascents". Peggy Goldman hat eine gute Auswahl an 75 anspruchsvollen Touren für den Staat Washington abseits von Wegen und Touristenströmen herausgesucht. Die Routen sind gut beschrieben, doch eine Karte und/ oder ein GPS dürfen im Rucksack nicht fehlen.

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